Kleben und kleben lassen – oder etwa nicht?

Dieser Tage liest man von den sogenannten Klima-Kleber:innen. Das Klebern scheint das Schottern weitestgehend abgelöst zu haben. Generaldirektor Haffenloher, Kleber-Koryphäe aus dem rheinischen Klingenberg, hätte sogar bei Protesten gegen das Establishment ein wenig Verständnis.

Gleichviel: Die strafrechtliche Bewertung des Festklebens oder des Begießens von Kunstwerken muss nicht zwingend eine Sachbeschädigung darstellen, denn oftmals ist lediglich das Sicherheitsglas betroffen, eine Substanzverletzung der Sache und mithin eine Sachbeschädigung liegen nicht vor.

Aber: Im Gegensatz zu Eintöpfen und Breien, läuft Suppe hin und wieder zwischen Rahmen und Glas, was zu einer gegenteiligen rechtlichen Bewertung führt. Auch die Temperatur des Protestmittels kann im Einzelfall die Farbe angreifen. Die alte Weisheit, dass Suppe nicht so heiß gegessen wird, wie sie gekocht wird, hilft hier jedenfalls niemandem. Außerdem kann eine Brauchbarkeitsminderung eine Sachbeschädigung darstellen, etwa in den Fällen, wenn ein Gemälde zur Reinigung und Restaurierung aus einer Ausstellung zeitweise entfernt werden muss.

Beim Festkleben ist ebenso eine Sachbeschädigung nicht per se ausgeschlossen. Ausgeschlossen ist aber in jedem Fall die Möglichkeit sich auf Handeln im Notstand zu berufen, denn das Ankleben oder Bebreien wirkt sich nicht auf das Wetter aus. Auch Rahmen sind oft kostbar und bilden zudem mit dem Bild ein festes Ensemble.

Protestaktionen wie diese treffen oft die Falschen und gewinnen die Zustimmung Weniger. Die Klima-Kleber:innen schneiden sich ins eigene Fleisch, was sie im Gegensatz zu van Gogh nicht zu Künstlern macht.
Eine Frage bleibt: Wie müssen Ausstellungen ihre Kunst sichern, ohne dabei im Wege der Musealisierung die Aussagekraft durch Panzergläser und Depots zu beschränken?


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Comments

Eine Antwort zu „Kleben und kleben lassen – oder etwa nicht?“

  1. Avatar von Clausewitz Kleber
    Clausewitz Kleber

    Tres amusement, je n‘adore les kleberesque

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