Kürzlich deckten die kanadischen Ermittlungsbehörden einen Kunstbetrug gigantischen Ausmaßes auf. Die Fälschung mehrerer tausend Werke des Künstlers und Malers Norval Morrisseu. Der Ertrag dieser Machenschaften soll sich auf Millionenhöhe belaufen.
Der Picasso des Nordens: Copper Thunderbird
Morrisseu, der sich auch Copper Thunderbird nannte, war einer der ganz Großen. Sein eigener Stil, den er sich über die Jahre ohne eine klassische Ausbildung an einer Kunstakademie aneignete, wurde schon zu seinen Lebzeiten als herausragend angesehen und führte zur Bildung einer eigenen Schule. Sein Werk ist bedeutend für die indigene Bevölkerung Kanadas und fand international breiten Anklang: Sowohl durch Ausstellungen, Kooperationen mit Museen als auch durch andere Künstler:innen, für die Copper Thunderbird mehr als nur Inspiration war. Copper Thunderbird schuf sich seine Kunst, malte auf Baumrinde seine Träume und Vorstellungen. Er verband in seinem künstlerischen Wirken seine familiären Einflüsse: Die christliche Prägung durch seine katholische Großmutter mit der Kultur der Anishnaabe. Er hob dies auf eine abstrakte Ebene seines Heimatlandes, das selbst aus europäischer und indigener Tradition Gemeinsamkeiten und Widersprüche in sich vereint.
Die Beltracchis des Nordens – oder doch nicht?
Mit dem Erfolg kommen bei Künstler:innen nicht nur die Neider. Sondern auch Nachahmer und Fälscher. Mit den Sieben freien Künsten hat das freilich wenig zu tun. Schon früh wurde der Stil Copper Thunderbirds kopiert und Werke nach seinem Vorbild neu geschaffen. Um Fälschungen ausfindig zu machen, kam er sogar auf die Idee ein eigenes digitales Werkverzeichnis zu schaffen. Seitdem wurde immer wieder auf vereinzelte Fälschungen hingewiesen und versucht diese aus dem Markt zu entfernen.
Es handelt sich aber seit neusten Erkenntnissen der strafrechtlichen Ermittlungen um einen Fälscherring, der Kunstbetrug im ganz großen Stil begeht – tausende Werke, Gesamtschaden in Millionenhöhe. Acht Beteiligte sitzen in Untersuchungshaft. Die kanadische Polizei spricht vom größten Kunstbetrug der Weltgeschichte. Ursprung der Nachforschungen war die Doku über den kanadischen Rock-Musiker Kevin Hearn, in dem dieser eine Kunstgalerie in Toronto verklagte. Die soll ihm eine Morrisseau-Fälschung verkauft haben. In dem Film werden dann vorgeblich Beteiligte vor laufender Kamera befragt. Jetzt will die Polizei die Aufnahmen haben.
Der Fälscher als Künstler sui generis
Über die Identität der Fälscher ist bislang noch nicht viel bekannt. Es gibt jedoch wie immer Gerüchte. Fälscher gelten als die Künstler unter den Malefikanten. Doch scheint es so, dass in diesem Fall eine Massenproduktion von Fälschungen stattfand. In Hinterhöfen, Kellern, Lagerhallen oder sonstwo. Schillernde Figuren, edle Schurken und Schöngeister finden sich unter den Verdächtigen nicht. Gefälscht wird alles, was viel Geld bringt. Es gilt auch für Fälscher: Malen nach Zahlen.
Kunststrafrecht und Kunsterbrecht
In Deutschland können das Fälschen und der Verkauf den Tatbestand eines Betruges und/oder einer Urkundenfälschung erfüllen. Den Strafzwecken kann bei einer Verurteilung Genüge getan werden. Was bleibt, ist der ideelle Schaden. Bei Fälschungen, die nicht als solche erkannt werden, besteht stets die Gefahr, dass das Gesamtwerk von Künstler:innen der Nach(Kunst-)welt nicht in der Originalität erhalten bleibt und verwischt. Das geistige Vermächtnis steht in diesem Fall ohne kunststrafrechtlichen Schutz da. Nulla poena sine lege artis, oder so ähnlich.

Hinterlasse einen Kommentar