Gleich zweimal taucht die Paris Bar, das Epizentrum der alten Westberliner Bohème, gelegen in der Charlottenburger Rue Kant 152, in den Gazetten der letzten Tage auf.
Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophirt
Schrieb weiland Friedrich Nietzsche. Zumindest der Titel passt aber auch hier: Das Münchener Landgericht I sprach Anfang August dem Künstler Götz Valien ein Mit-Urheberrecht an den Werken Martin Kippenbergers der Innenansicht der Paris Bar zu. Kippenberger „beauftragte“ den Plakatmaler Valien im letzten fin de siècle schlichtweg damit, von ihm geschossene Photographien seiner Ausstellung an den Wänden der Paris Bar auf Leinwand zu malen. So weit, so unspektakulär.
Doch eines der Werke wanderte auf einer Londoner Auktion für 2,3 Millionen Pfund über den Table, sprichwörtlich ein Hammer-Preis. Das Landgericht befand nun, dass Valien bei der Schaffung eine schöpferische Eigenleistung an den Tag legte. Er habe die Photographien künstlerisch verarbeitet und dabei eine „einladende, lebendige und warme Atmosphäre der Ausstellung in der Paris Bar gefertigt, die sich so auf der fotografischen Vorlage der Ausstellung nicht finde und ihm auch nicht von Kippenberger vorgegeben“ war. Münchens Worte für den Nimbus eines Lokals, das besser ist als ihr Schumann’s (in dem ich auch gerne bin, no offense). Gleichviel – Kippenbergers Nachlassverwalterin muss nun Valien als Miturheber nennen. Tant pis.
Kunst und wie man sie macht – Graf Yoster gibt sich die Ehre
Graf Yosters erster Fall. Und damit zurück in die Hauptstadt. Die Sündenstadt am Spreeufer. Es soll sich an einem der fabelhaften Abende in der Rue Kant 152 zugetragen haben. In gelockerter atmosphère, vielleicht nach einem Gläschen Chartreuse verte zuviel. Ein Malefikant soll nachgemachte, wertlose Drucke bekannter Photokünstler, genannt werden Helmut Newton und Thomas Ruff, feilgeboten haben. In einem Fall einigte man sich auf einen Kaufpreis von 1,5 Millionen Euro. Die vor dem Landgericht Berlin erörterten Hintergründe sind ebenso nebulös wie die Luft in der Paris Bar als Michel Würthle, Kippenberger und Otto Sander noch kräftig fümiert haben. Jetzt geht es um Betrug, Urkundenfälschung und Verstöße gegen das Urhebergesetz. Das Urteil wird milde ausfallen, die Petersburger Hängung wird nicht mehr vollstreckt.
Paris Bar – Mythos, Mäzenatentum, Maîtressen
Die Ereignisse zeigen: Die Paris Bar ist da. In der Kultur, in der Kunst, im Schauspiel und bei denen, die daran teilhaben möchten. In der Paris Bar vergisst man Raum und Zeit. Manche werden unvernünftig, manche kommen auf krumme Gedanken. Ein anderer ist soignierter Belesprit. Für Franz Josef Wagner ist die Paris Bar ein Zuhause. Für mich ist es einfach ein Ort avec splendeur, an dem ich immer eine Schachtel Gitanes rauche. Très français. Dass Madonna früher mal da war, interessiert mich nicht.

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