Der Kunsthandel lebt nicht von der Kunst allein. Er lebt von der Verschwiegenheit und der Vertraulichkeit – wie jede gute Beziehung. Umso erschreckender, dass sich die Geschäftsführung in New York wenige Tage vor dem Auktions-Marathon im Mai dazu gezwungen sah, die Internetseite vom Netz zu nehmen. Erst Wochen später wurde durch Emisoft, eine kanadische IT-Sicherheitsfirma publik, dass der Grund ein Cyber-Angriff der Hacker-Community RansomHub war.
Plunder and Pillage
Im Darknet bekannte sich die Gruppe und verkündete, dass etwa eine halbe Million persönlicher Daten von Kunden weltweit ergaunert wurden. Über die „vernünftige Lösung“, der Christie’s nachjagte, kann man nur spekulieren. Zu erraten, was Hacker wollen, ist keine Kunst…
Glück im Unglück – Unglück im Glück
Die frohe Botschaft ist, dass keine Finanz- und Transaktionsdaten gehackt wurden. Nur Namen, Ausweisnummern und Geburtstage – und Geburtstage sind bekanntlich die besten Passwörter. Schlimmer geht immer: Eigentümer und Orte wertvoller Kunstwerke würden andernfalls öffentlich. Eine nicht zu unterschätzende Gefahr, denn nicht immer hängt und steht ein Kunstwerk in besonders gesicherten Immobilien oder liegt in einem Banktresor. Oft lehnt ein Schmidt-Rotluff locker an einer Wohnzimmerwand und wird beim Samstagsputz liebevoll emporgehoben. Neulich erst gemacht.
Schadensersatz bei Datenlecks
Nicht nur Umsatzeinbußen drohen. Auch beim Datenklau können Betroffene Schadensersatz fordern. Bei der Menge an Daten möglicherweise ein Fiasko. Die Datenschutz-Grundverordnung sieht umfassende Betroffenenrechte vor, falls Daten gezockt werden, ein Unternehmen nicht die notwendigen Schutzmaßnahmen gegen Cyberkriminalität ergriffen hat oder gegen Datenschutzpflichten verstoßen wurde.
Art Nouveau: Die neuen Kriminellen im Kunststrafrecht
Kriminelle gehen mit der Zeit. Cyber-Piraten gehören dabei längst nicht mehr zur Avantgarde, sondern haben einen etablierten Platz im Wirtschaftsstrafrecht. Der Jolly Roger wird regelmäßig auf Servern gehisst – wer kennt nicht den Witz mit der Enter-Taste. Es gibt seit dem Wirtshaus im Spessart keine ehrlichen Diebe mehr… Tant pis!
Herzlichst
Ihr Yannick Neuhaus

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