We wish you a merry Christmas, Mr. Chrismas

Abgesehen von den schrecklichen und verheerenden Bränden, die rund um LA grassieren, brodelt es auch gewaltig in der Galerieszene der Stadt der Engel.

Douglas (Doug) Chrismas, der schwarze Engel des kalifornischen Kunstwesens, wird zwei Jahre hinter schwedische Gardinen gebracht. Mit 17 soll er schon Kunst und Rahmen in Vancouver vertickt haben. Über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten hinweg bekleidete er die Position des Managers der ACE Gallery und erlangte dadurch internationale Reputation als eine der schillernden Persönlichkeiten des Kunstmarktes für zeitgenössische Kunst. Mit Ablegern in Beverly Hills und östlich der Museums Row griff er –  im Hollywoodschen Jargon gesprochen – nach den Sternen. 1985 folgte sogar ein eigenes Museum.

Unter der Leitung von Chrismas hatte sich die Ace Gallery zu einem echten Magneten für Künstler entwickelt, die heute zu den Klassikern des Minimalismus, der Licht- und Raumkunst und der Land Art zählen. Darunter sind Namen wie Michael Heizer, Robert Irwin, Donald Judd und James Turrell.

Wie konnte es passieren, dass eine solch extravagante und institutionalisierte Person hinter Gitter muss?

Bereits 1979 schrieb niemand anderes als Andy Warhol (Warhola) in seinem Tagebuch, dass es fehlende Kompensationen durch Verkäufe von Chrismas gäbe.

Chrismas Konzept basierte auf einem Muster von Lügen und Diebstählen. Nach gerichtlichen Ermittlungen soll er Einnahmen aus Kunstverkäufen, die eigentlich zur Begleichung von Gläubigerschulden vorgesehen waren, absichtlich unterschlagen und für persönliche Zwecke verwendet haben. Er leitete Gelder aus seiner Galerie an eine nicht mehr existierende Galerie in New York. Dabei soll es sich laut Schätzung des Konkursverwalters Sam Leslie um 14 Mio. Dollar gehandelt haben. Keine kleine Summe.

Das FBI veröffentlichte Interviews mit Künstler*innen, darunter Mary Corse, die Chrismas drei Millionen Euro aus Kunstverkäufen vorwirft. Einige Werke hat sie zurückerhalten, doch zehn fehlen noch. Andere schweigen wegen Vertraulichkeitsklauseln – offenbar nur die Spitze des Eisbergs.

Dennoch genießt Chrismas immer noch Unterstützung von der älteren Generation von Sammlern.

Jarl Mohn, ein prominenter Kunstmäzen und Präsident des National Public Radio, unterstützte Chrismas in einem Schreiben an den Richter, das zum Ziel hatte, die Haftzeit zu verkürzen. Er betonte, über die Jahre viele Werke bei ihm gekauft zu haben, stets zu fairen Preisen für alle Beteiligten. Diese Werke seien durch Chrismas’ Beratung erheblich im Wert gestiegen. Ob Mohns Worte echter Sympathie oder finanzieller Dankbarkeit entspringen, bleibt offen.

Dieser Fall macht deutlich, wie essenziell ein Kunstrechtsanwalt mit Expertise im Strafrecht und Compliance ist, um Galerien und Künstler kompetent zu beraten und umfassende Rechtssicherheit zu gewährleisten.

Ich verbleibe mit den besten Wünschen.

P. Karger


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