Ein Phall für Zwei – Ein Schelmenstück aus der bayrischen Provinz

Dunkel war alles und Nacht. Knapp zehn maskierte Burschen schlichen auf das unbefriedete Gelände des Rundfunksenders Antenne Bayern. Nicht unbemerkt. Der Nachtwächter legte seine Laterne beiseite und griff zu seinem verstaubten Bakelit-Telefon W 48 und wählte auf der Fingerlochscheibe die 110.

Hört, Ihr Herrn, und lasst Euch sagen, hier drunten sind Spitzbuben am Werke.

Spitzbuben wie der Räuber Hotzenplotz – nur ohne Pfeffer-Pistole

Oberwachtmeister Dimpfelmoser rückten mit 4 Grünen Minnas an. Die 8 Burschen und ihr Tatmittel, ein Automobil französischen Fabrikats, wurden umzingelt. Die Burschen mussten sich bäuchlings auf den Boden strecken. Das Scheinwerferlicht ließ aufatmen: Die Uzi war ein Akkuschrauber. Quel bonheur! Der Pinsel wurde nicht zum Dolch. Daraufhin genehmigten sich die Gendarmen zunächst eine ordentliche Priese Schnupftabak, Gebrüder Bernard alte Sorte. Hatschi!

Die Sonnenuhr von Ismaning

Im Mondlicht erscheint nun ein übermannshoher Holzpenis. Aufatmen. Es waren keine Diebe, sondern, au contraire, Schenker. Die Burschen hatten eine – so die offizielle Pressemitteilung Nr. 729 der Gendarmerie– eine phallusartige Holzskulptur im Schlepptau, die sie an exponierter Stelle im Vorgarten installieren wollten. Ob auch eine Verwendung als Sonnenuhr angedacht war, lässt sich nicht mehr überprüfen. Das war kein Husarenstück, Octavio (falsch zitiert nach Schiller in Wallensteins Tod).

Bayerische Holzskulptur – Tradition trifft Moderne

Seit Jahren schon ist in Bayern von einer Phallus-Bande die Rede, die Skulpturen an verschiedenen Orten aufstellt. Die erste auf einem Berg im Allgäu. Das Schicksal der Skulpturen ist tragisch: Sie werden verschleppt, vergraben und zu Brennhoiz zersägt. Wirklich rasend mühsam.

Kunst-Aktion und Reaktion

Dass es sich um Kunst handelt, ist unstreitig. Die bayerischen Gendarmen sprechen von Kunst und die Künstlerburschenbande sieht das auch so. Nicht ohne Grund: Die Burschen tätowierten auf der Längsseite des Schafts den Wunsch, die Skulptur solle zu einem guten Zweck versteigert werden. Also kein Danaergeschenk! Unlängst kam der Penis nun unter den Hammer und fand einen neuen Eigentümer. Für die Übergabe wurde kurzerhand ein Volksfest organsiert – Fassbier, Tanz und Frohsinn. Einfach gmiatlich! Nach Angaben aus der Regionalpresse gab es sogar eigens kreierte Speisen, die der Holzskulptur nachgebildet gewesen sein sollen. Vielleicht auch nur Kolportage. Wohlsein!

Einer der Künstlerburschen darf die Zeremonie nur aus dem Spritzenhaus des Städtchens von Kasperl und Seppel anschauen. Das überklebte Nummernschild am französischen Automobil solle eine Urkundenunterdrückung darstellen – keine Ente. Die Sache wird alsbald vor dem Königlich Bayerischen Amtsgericht verhandelt. Sicherlich werden auch die Burschen als Zeugen geladen und peinlich befragt. Nur ein scharfsinniger Richter wird herausfinden können, ob es sich bei ihnen um die sich seit Jahr und Tag im Bürgertum versteckenden Bayerischen Phallus-Banksys handelt. Sei es.

Herzlichst

Ihr Yannick Neuhaus


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