
37700 beschlagnahmte Kulturgüter – 80 Festnahmen – 1 voller Erfolg
Zum neunten Mal wurde durch Europol, Interpol und zahlreiche Zollbehörden die Operation Pandora – mittlerweile Pandora IX – durchgeführt. Bei den Funden handelt es sich hauptsächlich um archäologische Objekte, darunter Keramiken, aber nicht nur. Auch Gemälde, Münzen, Kunstgegenstände aller Herren Länder sowie Musikinstrumente – wie es sich bei einer konzertierten Aktion gehört. Eine Groß-Razzia, perfekt orchestriert.
Von Malle-fikanten und Schutzpatronen
Der Guardia Civil gelang der zentrale Erfolg. Sie schnappte eine Bande Plünderer, die sich auf archäologische Stätten spezialisiert hatten. Zweieinhalbtausend römische Sesterzen wurden beschlagnahmt, bevor sie online versilbert werden sollten. Das österreichische BKA berichtete, dass ein Passagier abgefangen ward, der mit einem Säckel antiker Münzen von Palma de Mallorca nach Deutschland reisen wollte. Ein anderer soll einen Delphin in seiner Bauchtasche gehabt haben. Im 1823 km entfernten Athen wurden fünf byzantinische Ikonen gesichert, bevor der Verkauf an einen Sammler für 700k abgewickelt werden konnte. Spekulationen zufolge soll sich unter den Ikonographien auch der Heilige Dismas befunden haben. Aber welcher Dieb will schon gerne selbst gestohlen werden?
Pagane Pandora bewirkt Hochkonjunktur der Heiligen
In Österreich gingen die Schächer von Skulpturen des Heiligen Florian, des Heiligen Leonhard und des Heiligen Nepomuk ins Netz. Ihnen wird es zwar auf Erden besser ergehen als dem armen Dismas, aber paradiesische Aussichten werden sie nicht haben. Tant pis!
Es wäre ihnen zu raten, sich vor Gericht wie der Heilige Nepomuk zu verhalten und zu allem zu schweigen. Dem guten Nepomuk hat das indes nicht genützt. Wer glaubt, der Heilige Leonard, der gute Benediktinerabt mit den Attributen Krummstab und Kette – er machte sich weiland um die Befreiung von Gefangenen verdient – wird seine schützende Hand ausbreiten, wird selig. Wahrscheinlicher ist, dass die Delinquenten wie Leonard das späte Leben als Eremit, wenngleich hinter Schloss und Riegel, verbringen werden.
Internationale Zusammenarbeit – Schlüssel zum Erfolg
Seit 2016 wachsen die Erfolge der Europäischen multidisziplinären Plattform gegen kriminelle Bedrohungen (EMPACT) bei den Operationen Pandora. Benannt nach der von Hephaistos aus Lehm geschaffenen Frau, um den Diebstahl des Feuers durch Prometheus zu rächen. Bekannt durch ihre Büchse. Wir müssen ihr dankbar sein – was wäre unsere Welt ohne Laster und Untugenden? Jedenfalls ist anzunehmen, dass es die Hoffnung der Diebe war, die in der Büchse geblieben ist. Pandoras Büchse war schon zu Hesiods Zeiten verschollen. Zu hoffen ist, dass sie nicht bei einer Raubgrabung irgendwo in Griechenland ausgebuddelt wird und die Hoffnung der Diebe nach all den Jahren noch entweichen kann.
Herzlichst
Ihr Yannick Neuhaus
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