Die italienische Angelegenheit

Vorgeblich gefälschte Dalí-Werke beschlagnahmte die italienische Kunstpolizei Carabinieri dell’Arte kürzlich. Auf die Spur brachte sie die Fundació Gala-Salvador Dalí, die Zweifel an der Echtheit der Zeichnungen, Wandteppiche und Stiche hatte. Die Stiftung verwaltet das Erbe Dalís und seiner geliebten Muse Gala, die nicht nur Dalí, sondern auch Max Ernst inspirierte. Wiederum davon ließ sich auch Jahre später Wolfgang Beltracchi inspirieren. Doch dazu zu gegebener Zeit. Die Werke waren zuvor in der Ausstellung „Salvador Dalí, tra arte e mito“ in Rom und nun im Palazzo Tarasconi in Parma zu sehen. Einem traditionsreichen Renaissance-Palazzo, in dem früher mal die örtliche Sparkasse eingeweiht wurde. Alla Maranzalla!

In der Sammler- und Museumswelt gilt Dalí als kompliciert. Zu Lebzeiten vertrieb Dalí buchstäblich sein Werk – durch Verkauf von Reproduktionsrechten und Lizenzen. Nach Auskunft des Privatsekretärs Peter Moore habe Dalí schätzungsweise etliche Blankounterschriften ausgefertigt. Auch gibt es kaum Wachsmodelle oder Skizzen für seine Werke. So verschwinden Grenzen zwischen Original-Dalí und Konsentiertem-Dalí. Dalí malte nicht nur Uhren, sondern auch Nebelkerzen. Und Uhren werden auch gefälscht – tant pis!

Kalt erwischt

Das Institut hat ein, wenngleich kein hypnotisches Auge – Cineasten erinnern sich an Dalís Werk für Hitchcocks Spellbound mit der graziösen Ingrid Bergman und dem großen, ebenfalls moustachierten Gregory Peck – auf mutmaßliche Fälschungen. 2001 sprach bereits der Direktor Sevillano Bronzeplastiken die Originalität ab, die zuvor durch das Stratton Institute (nicht zu verwechseln mit dem renommierten Investmenthaus und Brokerunternehmen Stratton Oakmont – mein PE-Kumpel Till hat da ein Praktikum gemacht).

„Kein Mensch würde mein Werk fälschen, wenn ich ein mittelmäßiger Künstler wäre.“  –  Salvador Dalí

Dalís Werke sind beliebte Fälschungsobjekte: Ruth Ziegler soll weiland mitgeteilt haben, ihr seien bei Sotheby’s in New York 3-4 Dalí-Fälschungen pro Woche angeboten worden. Lutz Löpsinger, Münchener Kunsthändler, Dalí-Gutachter und Autor des Werkverzeichnisses für Dalís Druckgrafiken, soll sogar 1992 gesagt haben, 90 vom Hundert der damals auf dem Kunstmarkt befindlichen Dalí-Druckgrafiken seien falsch bzw. nicht echt. Später wurde sein Geschäftspartner wegen Kunstbetrugs und Urkundenfälschung – Echtheitszertifikate, Beauftragung von Fälschern – für knapp 4 Jahre in den Urlaub auf Staatskosten geschickt. Dort soll er einen Kurs „Malen nach Zahlen“ für Mitbewohner angeleitet haben – aber das stimmt vielleicht auch gar nicht.

Macht’s nur so weiter!

Nicht der erste Skandal in München: Bereits die Galerie der Frau von Soettingen, Antiquariat in bester Schwabinger Lage ging Fälscher auf den Laim (80686). Tierpark-Toni, der alte Gauner, gerade vom Urlaub auf Staatskosten aus Stadelheim entlassen, bot Heiligenfiguren, zersägt und neu verzagt, an. „Aus der Werkstatt von Caspar Straubinger, oder gar vom Meister selbst.“ Ausgerechnet der Frau des Kriminalkommissars Franz Münchinger, der nun seine Exerzitien im Kloster Maria Stein abbrechen und sein Spatzl aus dem Knast auslösen musste. Die Figuren waren aber nicht gänzlich gefälscht, da sie nicht als Originale ausgewiesen wurden und nur handwerklich modifiziert wurden: Ein mixtum compositum von Madonna mit Kind oder der Heiligen Barbara, der Kopf vom Evangelisten Markus, die Hände vom geschundenen Sebastian, was von der Heiligen Agathe und einem Franziskus, der zum Himmel aufsieht – „ein frommes Potpourri“ der kreativen Lausbuben, so heißt es in der Dokumentation.

Ein ernsthafter älterer Herr – war Dalí nicht

Ernsthaft war Dalí nicht. Eigenartiger gezwirbelter Moustache. Logieren im Le Meurice. Dort etliche Schafe halten. Mit angeleintem Ameisenbär an der Metrostation Bastille zur Rue de Lyon hochstolzieren – surreal möchte man sagen. Patrice Habans schoss das skurrile Photo, das um die Welt ging.

Kunst kann gefälscht werden, Dalí nicht. Wer Dalí auch erlebt hat, wird mir Recht geben. Aber wie er selbst sagte: Nichts ist so beständig wie die Erinnerung. Oder wie andere sagen: Lieber von Rembrandt gemalt als von Weinbrand gezeichnet.

Herzlichst

Ihr Yannick Neuhaus


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