Auf einmal passiert wieder so vieles, worüber geschrieben werden kann – Wäre Kunststrafrecht ein Museum, wäre es ein Kuriositätenkabinett.

Leere Rahmen, aber volle Taschen

Das dachte sich der Künstler Jens Haaning und lieferte statt der erwarteten Auftragsarbeit nur leere Rahmen und titelte „Take the Money and Run“. Nach dem Gerichtsurteil ging er allerdings selbst leer aus. Er muss die 532.549 Dänischen Kronen an das Kunstmuseum Aalborg zurückzahlen.

Zuvor hatte er mehrfach Werke geschaffen, bei denen er Banknoten auf Leinwände arrangierte, um auf irgendwas aufmerksam zu machen (geringes Einkommen, Ungerechtigkeit etc.). Diesmal ging es um schlechte – seine eigenen – Arbeitsbedingungen, unter denen er sein Kunstwerk anfertigen sollte. Sein Salär sollte nur schlappe 1.300 EUR betragen. Das Museum meinte nun, Haaning sei vertragsbrüchig geworden, Haaning meinte auch der Vertragsbruch sei Teil seiner künstlerischen Tätigkeit. Die einen sagen so, die anderen sagen so. Das hat das Gericht anders gesehen, fühlte sich dem Recht verpflichtet. Vielleicht war es aber gute Werbung. Es ist eben doch eine Kunst mit Geld umzugehen.

Das Märchen vom Schlaraffenland

In München tauschte ein Museumsmitarbeiter das im Lager verwahrte Bild „Das Märchen vom Froschkönig“ von Franz von Stuck gegen eine Fälschung aus und gab das Original in ein Auktionshaus. Vom Versteigerungserlös erhielt das Kerlchen fast 50 TEUR. Hätte er Stucks „Sünde“ genommen, hätte das den Symbolismus strapaziert. Gleichviel – das ganze Spiel wiederholte er noch dreimal mit Defreggers und einem Grützner. Alles für Uhren und einen Rolls Royce – eine kaum akzeptable Automarke für einen Gentleman, außer es handelt sich um einen knapp 70 Jahre alten Phantom V, der nach Pferd oder Hund riecht und mit einem britischen Kennzeichen versehen wurde, bevor dieses dämliche Jahressuffix eingeführt wurde.

Hört sich fast märchenhaft an. Der Märchenhaft entging er indes: die Gesamtfreiheitsstrafe von 1 Jahr und 9 Monaten wurde zur Bewährung ausgesetzt. Vielleicht geht er ja ab und zu auf einen Negroni ins Schumann’s. Da kann man schöner sitzen als in Stadelheim.

Ein van Gogh in der blauen IKEA-Tüte

Es gibt auch gute Neuigkeiten. Der Kunstdetektiv Arthur Brand, der Sherlock Holmes der Kunstwelt, spürte das vor wenigen Jahren aus dem Singer-Laren-Museum entschwundene Gemälde „Der Pfarrgarten von Nuenen im Frühjahr“ wieder auf. Ein unbekannter – und wohlgemerkt nicht tatbeteiligter – Mittelsmann übergab das Gemälde in einer markanten blauen Plastiktüte. Hintergründe bleiben auch hier – wie bei vielen Gemälden – dem Betrachter verborgen.  Der Tatverdächtige selbst wurde bereits verurteilt und weilt im Kittchen bei Wasser und Smörrebröd. Lieber in schwedischen Tüten als hinter schwedischen Gardinen.

Herzlichst, Ihr Yannick Neuhaus


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Eine Antwort zu „“

  1. Avatar von D.Frank
    D.Frank

    Top informiert und spitzzüngig kommentiert – wieder ein waschechter Neuhaus

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