Ein unauffälliges Warenlager am Genfer Flughafen entpuppt sich als Versteck für illegal geförderte Antiken.
Der Name Robin Symes ist virulent in der Berichterstattung über illegal beschaffene Antiken. Der Niedergang seines Imperiums begann bereits 1999, ausgelöst durch ein Zerwürfnis mit den Erben seines ehemaligen Partners in Crime, Christo Michaelides. Dabei dementierte Symes fälschlicherweise jeglichen Eigentumsanspruch auf das gemeinsame Firmeninventar. Dies veranlasste Christos Neffen dazu 16 Mio. Dollar in private Ermittlungen gegen Symes zu investieren, um die Eigentumsansprüche der Erbenfamilie dingfest zu machen.
Mit erstaunlichen Nebenergebnissen.
2016 fanden italienische Kriminalbeamte in Zusammenarbeit mit schweizerischen Behörden ein Versteck Symes am Genfer Flughafen, in dem sich 17.000 griechische und etruskische Artefakte befanden. Diese stammten größtenteils aus einem komplexen Beschaffungsnetzwerk für geraubte Antiken. Symes fungierte dabei als Weichspüler des Waschprozesses der noch unsauberen Antiken. Er stellte als „seriöser“ Vermittler den Kontakt zu reichen Personen und Museen her und verkaufte ihnen scheinbar wasserdichte Provenienzen.
(un)bescholtene Museen?
In diesem Kontext drängt sich dem Museumsbesucher die Frage auf: Woher stammen die ausgestellten Stücke im Lieblingsmuseum? Diese Fragestellung ist bei genauer Betrachtung teilweise nebulöser Natur.
Größtes „Opfer“ der Sym’schen Machenschaften war wohl die Paul-Getty Galerie. Diese bezog viele archäologische Artefakte von dem Ehepaar Barbara und Lawrence Fleischmann, die Stammkunden von Symes waren. Die Sammlung des Ehepaars war in einer vom Cleveland Museum of Art organisierten Wanderausstellung gezeigt worden. Eine Untersuchung dieser ergab, dass für 92 % des Ausgestellten keine Fundorte angegeben waren.
Durch diese Studie gelangte zunächst die Fragwürdigkeit der Provenienz der Objekte in den öffentlichen Diskurs. Die Razzia lieferte sowohl dokumentarische als auch fotografische Beweise, aufgrund derer die Carabinieri handelten. Dank dieser Beweise konnten sie angemessene Ansprüche gegenüber den „Falschbesitzern“ geltend machen und die Objekte dem allgemeinen Kulturgut zurückführen. Nicht nur die Fleischmanns waren betroffen, sondern auch Marmorobjekte aus einer gefälschten Villenanlage in Süditalien konnten durch die neuen Erkenntnisse restituiert werden.
Die Causa Symes enthüllt die Sturheit und sensationsgetriebene Fahrlässigkeit großer Kulturinstitutionen und des Marktes für Antiken. Handlungsbedarf scheint nur dann zu bestehen, wenn die Gefahr eines Imageverlusts entsteht. Intrinsische Erwägungen spielen dabei keine Rolle. Die Schaffung interner Compliance-Abteilungen in Museen könnte Abhilfe schaffen, um Grabräuber und Schwarzhändler leerlaufen zu lassen. Auch für Kunstsammler, insbesondere von Antiken, sollte es ein unerschütterliches Credo sein, kein Kulturgut von zweifelhaften oder zwielichtigen Quellen zu erwerben.
Ich verbleibe mit den besten Wünschen.
P. Karger

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